blood in the breeze and i hope that you remember me
#1




Seine Augen starren melancholisch in das lodernde, knisternde Feuer. Seit je her birgt das Feuer einen Zufluchtsort für ihn, es ist Balsam für seine Seele, beruhigt die Wut, die schon seit seiner Geburt in seinem Herzen brennt. Mit Mühe kann er sich davon wegreißen, ehe er für einen Moment seine müden Augen schließt. Im nächsten Moment sprühen Funken, während ein regelmäßiges, durchdringendes Geräusch sein in Dunkelheit gehülltes zuhause füllt. Es ist warm, sehr warm. Schweißperlen rinnen die schmutzigen, muskulösen Arme herunter, während er seine Arbeit einstellt und zu dem wenige Schritten entfernten Wassereimer humpelt. Zischen und Nebel erfüllt den Raum, während die Erde unter ihm bedrohlich erzittert. Es ist Zeit. Bald.

Er legt seine Stirn in tiefe Furchen, als die Selbstzweifel ihn übermannen und er wieder nachdenkt, viel zu viel über eine Entscheidung nachdenkt, die er bereits vor langer Zeit geschlossen hatte. Er ist Hephaistos, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Vulkane, verachtet von seiner eigenen Mutter, die ihn nach der Geburt vom Olymp geworfen hatte, weil er ihr nicht schön genug war. Sein lahmes Bein kam durch den Sturz und mütterliche Liebe hatte er von den Meernymphen Thetis und Eurynome erhalten, welche sein junges Leben gerettet hatten. Von seinen Ziehmüttern erlernte er die Schmiedekunst, sein erstes Zuhause die Insel Lemnos, später verlegte er seine Schmiede unter den Vulkan Ätna.
And I see fire
Vielleicht war es Aufbegehren, eine Erinnerung an seine Mutter, dass es ihn noch gab, das sie einen Sohn hatte, als er ihr den verfluchten goldenen Thron sandte. Besaß sie so wenig Liebe in sich, dass sie ihr eigenes Kind vergessen konnte? Es war ein Schrei nach Aufmerksamkeit, vielleicht auch ein wenig Rachegelüste, Sehnsucht nach mütterlichen Liebe seiner biologischen Mutter. Eine Entschuldigung. Doch seine Hoffnung war vergebens, Zetern und Beschimpfungen waren das Resultat, das Bitten von anderen Göttern Hera von ihrem Thron zu befreien. Erst als Dionysus ihn mit köstlichem Wein abfüllte, ihn auf einem Esel zurück in den Olymp brachte, löste er seine Verwünschung. Zur Besänftigung wurde ihm die Schönste zur Frau gegeben. Aphrodite, die Göttin der Liebe! Und wie sehr freute er sich über diese Wendung des Schicksal, endlich, endlich sollte auch er etwas Schönes erhalten, eine Frau so sanft und zart, gewiss malte er sich auch eine glückliche, von Liebe durchdrängte Ehe aus. Doch auch hier wurde der lahme Gott von seiner eigenen Naivität überrumpelt. Die Ehe zur Göttin der Liebe war so lieblos wie die Beziehung zu seiner Mutter. Auch seine Lust nach Athena blieb ohne Erfolg. Und so zog er sich zurück, zurückgewiesen von der Liebe, einsam, seinem Handwerk nachgehend und die wundervollsten Schmuckstücke zaubernd.

Doch in ihm war immer etwas. Vielleicht der Drang sich zu beweisen, der Drang zu zeigen, dass auch er es Wert war geliebt zu werden. Dass er von Erfolg gekrönt war und mehr war, als das ihn seine Mitgötter abstempelten. Er war mehr als nur ein raubeiniger, lahmer, verschmutzter, mürrischer Mann. Auch er möchte Rache, einen Platz in der Welt. Möchte gesehen werden. Und er wurde gesehen. Gaia sah ihn, flüsterte ihm liebliche Worte in das Ohr, von einer neuen Welt, von Rache, versprach ihm den Himmel auf Erden - wenn der sich auf die Seite der Urgötter schlug. Den diese würden sich gegen Zeus und den Olymp erheben. Wollen ihren rechtmäßigen Platz in ihrer Welt einnehmen. Und Hephaistos? Er hatte sich vor langer Zeit gegen den Olymp entschieden, auch wenn Selbstzweifel ihn übermannen und er sich fragt, ob dies der richtige Weg sei. Doch auf den Wegen des Olymps war er bereits gewandert und traf auf Hürden, unendlich viele Hürden, sodass es sich manchmal anfühlte, als ob er verzweifelt gegen eine Mauer lief. Er entscheidet sich für den Weg der Urgötter, wird ihr Spion, treuer Diener in der Hoffnung am Ende des Tages das Richtige gemacht zu haben und endlich, endlich Liebe und einen Platz in der neuen Welt zu finden. Er blickt wieder in das Feuer seiner Schmiede. Seine Hände tanzen in den lodernden Flammen, ergreifen sie. Es fühlt sich beinahe so an, als ob in ihm ein längst vergessenes Feuer zu entfachen beginnt.

Hephaistos Spion der Urgötter ca. 50 000 Jahre
David Harbour? Michael Rooker?




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